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Zirkel Landsmannschaft Marchia Berlin zu Osnabrück

Die Mensur

Ein heißdiskutiertes Thema ist das studentische Fechten, die Mensur. Deshalb hier ausführlichere Informationen, den Coleurstudentischen Informationen entnommen und geringfügig modifiziert.

Zwei Paukanten fechten ihre Mensur. Ihnen zur Seite stehen die beiden Sekundanten, die am Ende eines Ganges zu vier (oder sechs) Hieben dazwischengehen, um ihren Paukanten zu schützen. In der Mitte der Unparteiische, an den Seiten die Testanten zur Betreuung der Paukanten und Sekundanten. Dazu oft noch zwei Mensurzeugen als Assistenten des Unparteiischen, immer die Schreiber und und vor allem die Mensurärzte - ohne sie geht nichts. Ein gewisses Risiko - ja, aber kalkuliert. Ziel ist das erzeugen einer Ausnahmesituation, der man sich stellen muß, nicht das Verletzen oder verletzt werden. Rundherum stehen die Spektanten (Zuschauer).


Entwicklung des studentischen Fechtens

Das Fechten der Studenten ist im ausgehenden Mittelalter entstanden aus der Notwendigkeit, sich auf den langen Wegen zwischen Heimat und Universität vor Übergriffen zu schützen. Neben dem Adel, Würdenträgern und Mitgliedern der Fechtergesellschaften (des Bürgertums und der Handwerkerschaft freier Städte) stand nur den Studenten das Recht zu, Waffen zu tragen.

Zu jener Zeit konnte jeder wehrhafte Mann fechten. Fechtmeister unterrichteten Studenten wie Bürger in der Fechtkunst. Erst mit der Verbreitung der Feuerwaffen bildeten sich im Bürgerbereich Schützenkompanien anstelle der Fechtergesellschaften; die Bürger überließen gewissermaßen die Ausübung der Fechtkunst den Adeligen, Offizieren, Professoren und Studenten, ohne daß dies aber als elitäres Vorrecht dieser seitens der Bürger angesehen wurde.

Unter italienischem Einfluß setze sich im 16. Jhd. das Stoßfechten durch. Wegen dessen Gefährlichkeit wurde dieses aber am Ende des 18. Jhd vom heute gebräuchlichen Hiebfechten abgelöst. Als Waffe hierfür dienten Korbschläger oder Glockenschläger. Als Duellwaffen waren Säbel und Pistole gebräuchlich.

Bis weit in das 19. Jhd. hinein bestand die Kunst des Fechtens darin, Angriffe des Gegners zu parieren oder ihnen auszuweichen. Der Abstand war so groß, daß der Gegner nur mit einem Ausfallschritt getroffen werden konnte; die Mensur war "beweglich".

Mit dem Wiederbeginn des Hiebfechtens wurden leichte Bandagen üblich, die beim schnellen Stoßfechten eher hinderlich waren.

Etwa ab 1850 wandelte sich die Auffassung vom Fechten. Anstelle des "flüssigen Fechtens" mit Finten und Paraden legte man immer mehr Wert auf das "Stehen", d.h. Erwarten und Parieren des Hiebes ohne sonstige körperliche Reaktion. Jeder Hieb mußte sofort pariert werden, Zurückgehen war verpönt.

Zugleich wurde der Schutz des Fechters immer weiter verstärkt: Halsbinde, Paukweste, Stulp (Armschutz) und Paukbrille sollten gefährliche Verletzungen ausschließen. So blieb nur mehr der Kopf als Trefferfläche übrig. Der Fechtarm wurde hochgenommen, die Paukanten rückten zusammen, die heutige Fechtweise mit fester, enger Mensur war entstanden.

Die Schlägerpartie dient seitdem nicht mehr dem Ausgleich von Streitigkeiten. Die Partien werden von den Fechtwarten ausgehandelt ("bestimmt"), die dafür sorgen, daß möglichst gleichwertige Fechter (nach Statur, technischem Können und Erfahrung) einander gegenüberstehen.

Bereits zu Anfang des 20. Jhd. fanden Duelle nur noch nach Entscheidung durch ein Ehrengericht statt. Nach dem 2. Weltkrieg haben alle waffenstudentischen Verbände das Duell zur Bereinigung von Ehrenstreitigkeiten aufgegeben.


Juristisch betrachtet

Schon seit Beginn der Neuzeit wurde Verteidigung und Durchsetzung von Anschauungen und Ansprüchen als unangemessen empfunden und vom den Regierungen immer intensiver verfolgt. Die Strafgesetzbücher Deutschlands und Österreichs hatten das Duell generell verboten. Das Reichsgericht setze 1883 die Schlägermensur zunächst dem Duell gleich. 1933 wurde die Mensur ausdrücklich für straffrei erklärt. Dies wurde zwar vom Allieiertem Kontrollrat wieder aufgehoben, jedoch stellte der Bundesgerichtshof 1953 fest, daß die Bestimmungsmensur nicht den Tatbestand des Zweikampfes mit tödlichen Waffen erfülle; auch einen Verstoß gegen die guten Sitten verneinte der BGH. In den Neufassungen der Strafgesetzbücher sind sämtliche diesbezüglichen Verbote weggefallen.

Eine ähnliche Entwicklung nahm die Beurteilung des Fechtens aus kirchlicher Sicht. Das Duell war schon immer unmoralisch und mit Exkommunikation bedroht. Nachdem daß Duell aufgegeben wurde, entfiel auch das Argument, daß die Mensur die Vorbereitung für das Duell wäre. Nach der neuesten Fassung des codex juris canonici (1983) steht die Mesur auch offiziell nicht mehr unter kirchlicher Strafandrohung.


Die Ziele des Fechtens heute

Im Zuge einer langandauernden Auseinandersetzung mit der Frage, ob (vor allem) das Duell maßgebend für den Zusammenhalt in den Verbindungen sei, prägte sich der erzieherische Sinn der Schlägermensur:

  • Jeder Paukant hat sich verbindlichen Regeln - dem Fechtcomment - zu unterwerfen. Verletzt er sie, nehmen die eigenen Bundesbrüder ihn aus der Partie, die Mensur gilt als nicht bestanden;

  • obwohl ernste Verletzungen faktisch ausgeschlossen sind, ist die Mensur für jeden Fechter eine Ausnahmesituation, die ihn Überwindung kostet;


  • gerade darin besteht ihr Wert:

    • indem der einzelne sich dem Fechtcomment unterwirft, beweist er Fairness;

    • indem er seine inneren Widerstände überwindet, entwickelt er sich charakterlich weiter.

Er zeigt damit auch, daß ihm die Gemeinschaft seines Bundes mehr wert ist, als abratende Stimmen aus der Umgebung, auch mehr wert ist als seine eigenen Zweifel an Einzelheiten des Korporationslebens. So zeigt auch er, daß er zu dieser Gemeinschaft gehören will. Dieses Engagement öffnet ihm eigentlich erst den Zugang zur lebenslangen Gemeinschaft in unseren Verbindungen.

 

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